Kapitel 11
o) Aehnlich 1. Könige 2,37: Am Tage so du hinausgehest, und setzest über den Bach Kidron, wisse, daß du des Todes sterben mußt.
Schimei aber ist nicht gestorben an dem Tage, da er aus Jeruschalajim gegangen, sondern nachdem er von Gath nach Jeruschalajim zurückgekehrt war.
Ferner bezieht sich der Ausdruck: Mußt du des Todes sterben, nicht auf den Tod allein, sondern enthält auch eine Andeutung auf die andern körperlichen Strafen, womit ihn Gott nach seinem Sündenfall bestraft hat, welche Strafen Gott ausgesprochen 1: B.M. 3,17-19: Verflucht sei der Erdboden deinethalben, mit Beschwerde sollst du von ihm essen alle Tage deines Lebens, und Dornen und Disteln soll er dir wachsen lassen f.f.
Es wäre nicht gerecht gewesen, daß Gott ihm (dem Adam) nach der Sünde mehr Strafen zugeschickt hätte, als er ihm vor der Sünde ausdrücklich augedroht hatte; jedoch weil der köperliche Tod die schwerste Strafe ist, schwerer als alle körperliche Strafen; so begriff Ersterer auch die Letzteren, womit die Menschenkinder heimgesucht werden, in sich.
Als Beweis dienen die Worte der heiligen Schrift: Es sollen nicht getödtet werden Väter um der Kinder willen, und Kinder sollen nicht getödtet werden am der Väter willen f.f.
Dadurch aber, daß die Schrift das Verhängniß anderweiter körperlicher Strafen über den Menschen zuvörderst vorauschickt, und dann mit der Todesstrafe schließt, wie es 1.B.M. 3,19 heißt:
Fern ist dies von ihm ein solcher Gedanke kann bei keinem Vernünftigen Eingang finden.
Nach ihrem Vorgeben hat er, Jesus, durch seinen Tod die Seelen der Väter und Kinder sowohl der früheren als spätern, aus der Hölle erlöst; p) nun seine Jünger, Apostel und Anhänger, die durch Urteilsspruch der Römer und andere ebenfalls getödtet worden, wessen Seelen haben die durch ihren Tod erlöst?
Wir finden übrigens in ihrem Evangelium, daß der Apostel Paulus dieser Meinung widerspricht, im Sendschreiben an die Römer Cap. 5, V. 14, woselbst er sagt: doch herrschte der Tod von Adam an bis auf Moses über die, welche auf dieselbe Weise wie Adam gesündigt hatten.
Mit diesem Satze bekundet Paulus ein Zwiefaches, ihrem Glauben entgegen.
Erstens daß der Engel des Todes keinesweges über die Propheten und heiligen Frommen Gewalt gehabt, sondern lediglich über diejenigen, die auf dieselbe Weise wie Adam gesündigt und zweitens, daß der Tod nicht geherrscht von Adam bis Jesus, wie sie glauben, sondern nur von Adam bis Moses. Wollte Jemand einwenden, es stehe im Evangelium nicht, über die, welche auf dieselbe Weise wie Adam gesündigt, wie du anführst, sondern vielmehr, über die, welche nicht auf f.f.; so möge dieser nur die Angen öffnen und sehen, was Ambrosius, Erzbischof von Mainland, schreibt, daß nämlich dieser Satz, in den Handschriften der Griechen verfälscht worden, und daß, noch zu seiner Zeit in lateinischen Handschriften die Lesart so war, wie wir eben angeführt, welche Lesart auch die Übersetzung des Simeon Budny beibehalten.
Du findest diesen Gegenstand wohl erörtert in der Schrift des Martin Cziechowitz betitelt Abhandlung dreier Tage Seite 51.
Denn bewahre, diese find nicht in Folge der Sünde Adams, mit Seelentod bestraft worden, wie es von Chanoch 1. B.M. 5,25 heißt: Gott habe ihn zu sich genommen; ebenso sind sie auch den körperlichen Strafen entgangen, was die heilige Schrift von Noah, dem Frommen, bekundet ebbend. V. 29: Dieser wird uns trösten über unsere Arbeit und die Beschwerden unserer Hände, von dem Erdboden, den der Herr verflucht hat; ferner von Jizchak; Jizchak säete in diesem Lande und gewann in diesem Jahre hundertfältig, so segnete ihn der Herr, ebendaselbst 26:12.
Das Gegenteil findet sich bei Kain, da heißt es: Wenn du den Erdboden bearbeiten wirst, so soll er dir nicht mehr seine Kraft geben, ebendaselbst 4,12; ja, wenn du die über Adam verhängten Strafen genau betrachtest, wirst du finden, daß sie alle an Kain wirklich vollzogen worden; eben weil er in Adams Fußtapfen gewandelt.
Hingegen wer den Willen seines Schöpfers stets mit ganzem Herzen und ganzer Seele erfüllt, gleich unserem Urvater Abraham, der ein solcher genannt wird der Gott liebt, Jes. 41,8: Same Abrahams, dessen, der mich liebt, den liebt auch Gott wieder mit wunderbarer Liebe.
So hat er (Gott), aus Übermaß der Liebe gesucht, ihn (Abraham), durch seine Gebote, glückselig zu machen, und darum ihm und dessen Nachkommen das Gebot der Beschneidung gegeben, um die fleischliche Lust, die bei Adam und dessen Nachkommen, durch den Genuß vom Baum der Erkenntniß, an Stärke zugenommen hatte, bei ihnen zu schwächen, und so hat er sie auch wieder, sowohl vermittelst dieses Gebotes, wie auch anderer Gebote der Gotteslehre, welche Baum des Lebens genannt wird, des ewigen Seelenlebens theilhaft gemacht, worauf eine Andeutung enthalten ist, in den Worten, er wird essen und ewig leben. (1. B.M. 3,22)
Letzteres bekundet nun der Satz, welche der Mensch üben soll, auf daß er durch sie lebe, im Pentateuch, und finden wir dasselbe auch ganz in denselben Ausdrücken, zwei bis dreimal wiederholt im Propheten Jecheskel 20, 11, 13, 21; und zwar nachdem er schon früher Cap. 18 deutlich zu erkennen, daß er von dem Seelenleben rede, denn es heißt daselbst (V. 21) er beobachtet Recht und Tugend, der wird leben und nicht sterben; ferner (V. 27) und übet Recht und Tugend, so wird er seiner Seele das Leben erhalten; es ist aber bekannt, daß es sonst kein Leben giebt, auf den nicht Tod folgt, ausgenommen das ewige Leben der Seele allein.
Und da das Weib den Tod des Menschen in die Welt gebracht, denn Chawah war es, die den Adam verführt hatte, wie es 1. B. M. 3,12 heißt: Das Weib, das du mir gegeben, das gab mir von dem Baume, und ich aß, die Gotteslehre aber den Zweck hat, den Makel der Sünde wegzuschaffen; darum mußte bei der Gesetzgebung die Warnung erfolgen, keinem Weibe zu nahen, wie 2. B. M. 19,15 geschrieben steht: Haltet euch bereit auf den dritten Tag, und kommt keinen Weibe nahe, in Anbetracht, daß eine Krankheit durch entgegenwirkende Mittel geheilt wird, und ein Ankläger nicht Fürsprecher werden kann.
Alle diese Beweise müssen dir dartun, daß die Frommen und heiligen Väter keineswegs in Folge des Sündenfalls von Adam, zur Hölle gefahren und Seelenstrafen erlitten haben, da sie nicht wie jener dem Willen Gottes zuwidergehandelt, sondern haben sie vielmehr Gunst in den Augen des Herrn gefunden, und ist ihnen ewiges Heil beschieden worden, durch eigenes Verdienst, ohne gemäß den willkürlichen Erdichtungen der Christen zu solchem Heil des Verdienstes Anderer zu bedürfen.
Dasselbe sagt Jecheskel 18,20: Nur die Seele, die gesündigt hat, die stirbt, der Sohn büßt nicht für die Sünde des Vaters, und der Vater büßt nicht für die Sünde des Sohnes; das heißt der Tod trifft die Seele nur in Folge ihrer eigenen Sünden, nicht aber in Folge der Sünde Anderer, was dort in den Worten des Propheten deutlich auseinander gesetzt ist.
Wenn es jedoch in der Heiligen Schrift 2. B.M. 20,5 heißt: Er ahndet die Sünde der Väter an den Kindern f.f. so ist dies nur gemeint, wenn die Kinder die Handlungsweise der Eltern fortsetzen, was auch besagt wird mit den Worten, so sie mich hassen; und so verhält es sich mit allen dergleichen Stellen.
Auf ähnliche Weise spricht sich der Sänger dar Klagelieder aus; 5,7: Unsere Väter haben gesündigt und sind nicht mehr, und wir büßen auch ihre Schuld; d.h. unsere Väter hatten durch ihre Sünden das Exil veranlaßt und sind, nachdem sie die Last des Exils getragen, gestorben; wir aber, die wir an ihrer Statt nun im Exil verblieben, büßen für unsere eigenen Sünden und zugleich auch für die Sünden unserer Väter mit, weil wir die Handlungsweise derselben, selbst im Exil fortsetzen, wie geschrieben steht 3. B.M. 26,39: Die Übrigen von euch werden hinschwinden durch ihre eigne Sünde, in den Ländern eurer Feinde, und auch durch die Sünden ihrer Väter, so sie solche beibehalten, werden sie hinschwinden.
In der That, die wenigen Frommen, die sich zur Zeit des Exils vorfanden, z. B. Jirmejah, Baruch, Sohn Neriah’s, Jecheskel, Daniel mit seinen Genossen und andere, wiewohl sie, als Theile der sündigen Nation, mit der Gesamtheit ins Exil wandern mußten; so hat doch dieses Exil nur ihr Wohlergehen befördert, indem sie bei den heidnischen Königen im Exil in weit höherem Ansehen standen, als bei den israelitischen Königen, zur Zeit der Herrschaft derselben, was die h. S. von Jirmejah, Daniel und Genossen bezeugt.
Dies aber geschah, weil sie die Handlungsweise ihrer sündhaften Väter nicht fortsetzten; darum durften sie auch für ihre Väter nicht büßen.
Demgemäß konnten nun die über Adam verhängten Strafen und Flüche dessen fromme, den Willen Gottes vollziehende Rachkommen nicht treffen, sondern nur diejenigen, die in dessen sündhaften Fußstapfen wandelten, wie oben gezeigt worden.
Ja, wir finden ferner in ihrem eigenen Evangelium eine Stelle, die dieser ihrer Behauptung zuwider läuft, nämlich Lukas 16, 19 f.f. wird erzählt, daß der arme Lazarus nach seinem Tode im Schoße unseres Vaters Abraham der Seligkeit genoß.
Mithin waren Abraham und Lazarus nicht in der Hölle; und geht hieraus notwendig hervor, daß auch vor Jesus nicht die Frommen, sondern nur die Rauchlosen zur Hölle gefahren sind.
Was ihren Beweis betrifft von der Verdoppelung תמות מות, welche Verdoppelung, nach ihrer Behauptung, lediglich den Seelentod bedeutet, so enthält dieser Beweis keine Wahrheit, indem es ein Gebrauch der hebräischen Sprache ist, an den meisten Stellen, dem Verbum Finitum den Infinitiv vorhergehen zu lassen, so z. B.: Geh! Sage ihm do wirst genesen, aber der Herr hat mir gezeigt, daß מות ימות (er sterben wird). 2. Kön. 8, 10.
Diese Worte bilden die Antwort auf die frage: Werde ich wohl genesen von dieser Krankheit?
Die Antwort aber muß der Frage entsprechen.
So wie nun die Frage lediglich Leben oder Tod des Körpers betraf; so bezieht sich auch die Antwort, trotz der Verdoppelung ימות מות lediglich auf den Tod des Körpers und auf nichts Anderes.
Dieselbe Bewandniß hat es 1. Schem. 14, 3, mit תמות מות bei Jonathan und ebend. 22, 16, bei Achimelech; wiewohl hier der Ausdruck der den Tod bedeutet, doppelt steht, so ist dennoch nur der körperliche Tod gemeint; vergl. 2. B.M. 21, 20: ינקם נקם (ebend.19,13) יסקל סקול, יירה ירה. B. M. 15, 13. תדע ידע 2. M. 19,5, תמעו שמע u. dergl. m.
Hinwieder finden wir auch, daß der Ausdruck der Tod bedeutet, nicht doppelt steht, obschon er auf den Tod
der Seele zu beziehen ist, z. B: Die Seele, die sündigt, muß sterben. Jecheskel 18, 4.
Auch was den andern Beweis betrifft von den Worten unseres Vaters Jakob.
1. B.M. 37,35: Ich werde hinunter steigen zu meinem Sohne, trauernd in den שאול und des Jechiskiah, Königs von Jehudah, Jeschaj 38,10: Ich werde eingehen in die Pforten des שאול; wo sie behaupten, daß das Wort שאול durchaus nur mit גיהנם und תפתה einerlei Bedeutung habe; so verhält sich die Sache in der That nicht so, sondern ist das Wort שאול auch synonym mit Tod, Grab und Erdentiefe.
Mit Tod, wie לשאול שתו (dem Tode verfallen sie) Pf. 49,16; s) ferner כי לא שאול תודך (denn der Tod lobt dich nicht) Jes. 38, 18; mit Grab wie מי יתן בשאול תצפינני (O, möchtest du mich im Grabe bergen) Job. 14,13; ferner בשאול אשר אתה הולך שמה (in dem Grabe, wohin du gehest) Prediger 9,10; und diese Bedeutung hat auch כי ארד אל בני אבל (ich werde hinuntersteigen zu meinem Sohne trauernd in das Grab) אלכה בשערי שאול (ich werde eingehen in die Pforten des Grabes); mit Erdentiefe, wie ואציעה שאול הנך (und bettete ich mir die Erdentiefe, da bist du) Pf. 139,8; ferner עמקה משאול מהתדה (tiefer denn Erdentiefe, was willst du wissen?) Job. 11,8.
So hat auch Simon Budny, der jüngste christliche Übersetzer nirgends שאול mit Hölle übersetzt, sondern manchmal mit Grab oder Grube oder Erdentiefe, wie diejenigen, die seine Übersetzung aufmerksam lesen, wissen werden.